Jade do stolice – Ein Flug von Neustadt Aisch (EDQN) nach Warschau Babice (EPBC)

Wir fahren in die Hauptstadt. Jade do stolice. Nachdem ich zuletzt eher in Österreich und Frankreich unterwegs gewesen bin, sollte es diese mal nach Polen gehen um eine Freundin abzuholen. Aber nicht Einach irgendwo hin in dieses – Deutschland eigentlich sehr ähnliche – Land, sondern gleich in die Hauptstadt. Warschau.

Park in Warschau

Nun ist ein Flug in eine dicht besiedelte Ecke, noch dazu mit viel Flugverkehr ind er Regel immer erst einmal etwas aufwendiger in der Vorbereitung, als ein Flug ins klassische Outback. Erst einmal ging es um die Suche nach einem passenden Flugplatz zum Landen. Warschau Chopin (EPWA) ist auf Grund der Größe nicht unbedingt der optimale GA-Airport. Warschau Babice (EPBC) bietet sich jedoch an. Die Lage ist zentral und der Platz bietet eine gute Ausstattung. Das in Polen manche Besonderheit dennoch zu beachten ist, zeigte sich dann in der Folge.

Der Flug von Deutschland in Richtung Tschechien war unspektakulär und mit einer Mooney M20E relativ schnell erledigt. Etwas irritiert war ich lediglich beim Erstanruf bei Langen Information. Nachdem wir uns nach dem Abflug von Neustadt und dem unterfliegen des Charlie Nürnberg etwas sortiert hatten, kontaktierte ich Langen. Wir wurden dann gleich zur nächsten Frequenz weitergeben. 10 Sekunden gewartet. Nichts gehört. Einleitungsanruf begonnen. Die Antwort „Wie lange haben Sie gewartet, bis Sie gerufen haben?“. Antwort „ca. 10 Sekunden“. Erwiderung „Das ist zu kurz. Warten Sie 1-2 Minuten“. Verstanden habe ich das bis heute nicht. Zwar gibt es immer wieder mal das Problem, das andere Rufe auf der Frequenz nicht gehört werden (und niemand will ja bewusst blockieren). Aber 1-2 Minuten warten erscheint mir dann doch schon sehr lange – erst recht mit ner Mooney, da ist man ja dann schon in Tschechien ;).

Egal, der Streckenflug in Tschechien und Polen war problemlos und VFR kann betreffend Routing und Informationen problemlos wie IFR geflogen werden (ich meine ausdrücklich aber nicht, dass auf Sichtflugbedingungen verzichtet werden kann!). Der Durchflug durch den Luftraum Karlsbad war ohne Schwierigkeiten und soweit manche, in Deutschland nicht übliche Lufträume, sich nicht von selbst erklären, hilft FIS gerne und kompetent weiter. Bemerkenswert ist aber, dass es in Tschechien vermutlich eine Firma gibt, die sich darauf spezialisiert hat, im Funk von FIS Geräusche zu erzeugen, die den Eindruck erwecken hinter dem Arbeitsplatz der FIS-Mitarbeiterin befindet sich eine gigantische Radarstation, die Störgeräusche verursacht.

Der Anflug auf Warschau Babice (EPBC) ist unproblematisch. Der Luftraum Warschau verfügt über mehrere Wegpunkte und lediglich von Westen kommend ist der Korridor zum Platz nach Babice etwas eng. Im Süden ist er durch die Kontrollzone von Warschau Chopin und im Norden durch ein Verbotsgebiet in Form eines Naturschutzgebietes beschränkt. Danke moderner Moving-Maps muss man insoweit aber nichts fürchten und die AIP gibt umfassend Auskunft.

Warschau Babice - Flugplatz im Herzen der Hauptstadt

Spannend wird es dann, wenn man im Bereich der Platzrunde angekommen ist. Wir hatten – ehrlich – die AIP umfassend angesehen und während des knapp 3-stündigen Streckenfluges war dazu auch mehr als genug Zeit. Der Eintrag für Warschau Babice (EPBC) enthält eine Vielzahl von Ausführungen zu einer südlichen Platzrunde (die im Foreflight-Kartenmaterial Stand Juni 2019 nicht eingezeichnet ist) und bei manchen Anflügen auf Chopin nicht genutzt werden darf. Wir haben die ATIS Chopin abgehört. Wir hatten vorher angerufen, damit in Warschau Babice (EPBC) jemand am Funk ist, der Englisch spricht. Nachdem wir uns mit allem befasst haben, kamen wir zu dem Ergebnis, das beste Einflugverfahren ist:

Überfliegen des Platzes von Süden kommend „midfield“, dann nach Norden, eindrehen in den rechten Gegenanflug und Abflug der Platzrunde Landen auf der 28L (Asphalt). Entsprechend wurde uns auch mitgeteilt, „report downwind“. Beim crossing befanden sich rechts von uns, im Osten ein Segelflugzeug und auf der Karte ist dort auch ein Segelfluggebiet eingezeichnet. Beides wurde erkennbar umflogen.

Nach Meldung des rechten Gegenanfluges (right downwind) gab es schon deutlich hörbar relativ viel Funkverkehr auf polnisch und nach dem Eindrehen in den rechten Queranflug (right base) kam dann im Funk die Mitteilung „I invite you to come to me to the tower after landing, we have to talk, this was dangerous. I have to file a report“. Ok, Landung fertig gemacht, Flugzeug abgestellt, ausgeladen, gesichert und ab zum Turm. Was wir falsch gemacht haben sollen, wussten wir zu diesem Zeitpunkt nicht.

Unser (falscher) Anflug nach Warschau Babice

Am Turm gab es dann fast eine Stunde eine Diskussion, die freundschaftlich im guten endete und im Wesentlichen um folgendes ging:

Nach dem Vorwurf wir hätten die AIP nicht gelesen (was definitiv nicht stimmte) wurden wir damit konfrontiert, dass ein Midfield-Crossing extrem gefährlich sei, da es ja Segelflugbetrieb gebe und Lärmprobleme bestehen. Angeblich solle sich aus der AIP ergeben, dass der rechte Querabflug (right crosswind) unmittelbar nach dem Erreichen der Platzrunde abgeflogen und auf diesem Weg in den rechten Gegenanflug (right downwind) eingeflogen werden muss. Nun bin ich kein Fan davon, im Abflugbereich herumzufliegen und nach meinem bisherigen Verständnis wird im Zweifel beim Anflug an der angegebenen Stelle in den Gegenanflug oder sonst in etwa mittig in den Gegenanflug eingeflogen. Ist es sinnvoll direkt in den Queranflug zu gehen, so fragt man dies an, meldet dann das Eindrehen, und fertig. Ein Anflug über den Abflug war nach meinem Verständnis bisher kein „übliches“ Verfahren und ich hätte sonst immer ein Midfield-Crossing vorgezogen, wenn Luftraum und Verkehr dies zulassen.

Lange Rede kurzer Sinn. In Babice ist es immens wichtig, am frühesten möglichen Punkt (je nach Anflugwegpunkt) in die Platzrunde einzubiegen und diese dann voll abzufliegen, auch wenn dies bedeutet, dass der „Abflug“ geflogen werden muss. Hintergrund sind wohl vor allem Lärmschutzbedingungen und wohl auch ein bisschen die Besonderheit „Hauptstadt“ („you can fly like this everywhere else but not in the capital“). Auch wenn es kein EASA-Hauptstadtrecht gibt, möchte ich aber gerne auf dies aus meiner Sicht Besonderheit hinweisen und jeden bitten, sich damit auseinanderzusetzen. Die AIP erscheint mir insoweit nicht eindeutig. Dort steht lediglich relativ am Anfang:

Flights above the aerodrome shall be conducted along the northern circuit at 1823 ft AMSL (1476 ft AGL).

Aus dem „along“ soll sich nun also ergeben, dass immer am erstmöglichen Punkt in die Platzrunde einzufliegen ist.

Abgesehen von diesem Missverständnis handelt es sich um einen tollen Platz mit moderaten Kosten und einer sehr guten Taxi-Anbindung in die Hauptstadt. Und manchmal ist man halt trotz aller Vorbereitung der exotische Pfau (or Cowboy Pilot) und muss daraus für das nächste mal lernen.

Pfauen in Warschau

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