Drill out CherryMAX® Rivets

Im Flugzeugbau wird seid Uhrzeiten das Nieten als Verbindungstechnik eingesetzt. Größtenteils kommen dabei Vollniet zum Einsatz. Im Wesentlichen finden sich Nieten an der Beplankung von Rumpf und Tragfläche, aber auch im Innenraum werden zahlreiche Bausteile vernietet. Die Schienen für die Sitze, der Instrumentenbrettträger, Antennen und weitere.

Nieten hat den Vorteil, das es zum einen eine dauerfeste stabile Verbindung ist und zum zweiten im Vergleich zu Schrauben, deutlich platzsparender. Gegenüber dem Schweißen, hat das Nieten gerade im vibrationsbelasteten Bereich einen klaren Vorteil. Ist ein Niet beschädigt, kannst Du es zum einen leicht erkennen und zum anderen breitet sich der Schaden nicht weiter aus. Ein in einer Schweißnaht einmal aufgetretener Riss, ist schwierig zu erkennen und breitet sich ohne weitere Maßnahmen immer weiter aus.

Typen von Nieten

Neben dem Vollniet findet im Flugzeugbau auch der Blindniet, auch Popniet genannt, Einsatz. Die Verarbeitung von Blindnieten ist denkbar einfach und auch die Beschaffung von Werkzeug und Niet ist in Deutschland kein Problem. Das Verarbeiten von Vollnieten hingegen, ist aufwendiger. Erstmal benötigst du spezielles Werkzeug, welches du z.B. in den USA bestellen musst, das es keine Händler in Deutschland oder Europa gibt.

Für das Setzen von Vollnieten, musst von beiden Seiten an die zu vernietende Stelle gelangen können. Das ist beispielsweise an der Tragfläche gewissermaßen schwierig. Und teilweise kannst du nicht mit einer Vollnietzange arbeiten, sondern musst “oldschool” mit Hammer und Stempel (Nietkopfsetzer) arbeiten; was aber viel Übung erfordert.

CherryMAX®: Der Vollniet unter den Blindnieten

Der CherryMAX® Niet zeichnet sich durch besondere Stabilität, bei gleichzeitig einfacher Handhabung aus. CherryMAX® sind mechanisch gesicherte Blindniete der Firma Cherry Aerospace, die z.B. als Ersatz für einen defekten Vollniet eingesetzt werden können. CherryMAX® sind Blindnieten, die sich Nahezu genauso einfach wie Baumarkt Blindniete verarbeiten lassen. Einzig bei der Genauigkeit des Bohrlochs und bei Auswahl der richtigen Größe, ist mehr Sorgfalt notwendig als bei klassischen Popnieten.

Nun ist das Setzen von CherryMAX® schnell, einfach und zuverlässig erledigt. Aber überall wo Licht scheint, wird auch Schatten geworfen. Und das ist bei diesen Nieten das ausbohren…

Ausbohren von CherryMAX®

Zum Ausbohren eines Vollniet, muss zunächst mittig sauber gekörnt werden und anschließend vorsichtig mit der richtigen Größe gebohrt werden. Bei Blindnieten, kann idR ohne körnen gebohrt werden und wenn der Kopf des Niet ab ist, fällt der Nietkörper meist von allein aus oder du drückst ihn mit einem Splinttreiber raus. Beides ziemlich einfach und schnell erledigt.

Anders bei den CherryMAX®. Ihre Stabilität erreichen diese Nieten, aufgrund des Stahlstiftes, der mittels eines Sicherungsrings im Niet gehalten wird und damit einen soliden vollständig geschlossenen Körper erzeugen. Auch bilden diese Niete auf der Außenseite eine bündige Fläche, die das Bohren gegenüber dem klassischen Blindniet erschwert. Da der Nietkörper aus Alu ist, der Stift aber aus Stahl, neigt beim Ausbohren der Bohrer zum Wandern in das weichere Alu. Auch gut gekörnt, kann dir der Bohrer schnell wegwandern. Dann bohrst du nicht die Mitte auf, sondern ganz schnell daneben und beschädigst im Zweifel das Material außen rum. Habe ich leidlich auch schon selbst fabriziert!

Das grundsätzlich vom Hersteller empfohlene Vorgehen zum ausbohren ist wie folgt:

  • Mittig körnen
  • Mittig vorsichtig aufbohren, bis der Sicherungsring “Locking Collar” entfernt ist
  • Den Stahlstift nach innen ausschlagen (Mit einem passenden Splinttreiber)
  • Den Nietkopf abbohren, wie bei einem klassischen Blindniet, bis er ab ist
  • Den Nietkörper nach innen ausschlagen

Das Ganze klingt jetzt leider einfacher als es in der Praxis ist. Das Ausbohren des Sicherungsrings ist dabei die entscheidende Stelle. Selbst gut gekörnt bricht dir der Bohrer schnell aus. Wichtigste Grundlage ist auf jeden Fall ein scharfer und idealer Weise auch kurzer Bohrer, der sich nicht verbiegt. Durch den kurzen Bohrer kannst du im Zweifel auch mäßig Druck seitlich aufbringen, um den Bohrer zentral im Niet zu halten.

Entfernen des Sicherungsrings ist das zentrale Element

Ist der Sicherungsring entfernt, sind 90% der Arbeit getan. Ich habe nach einigen Versuchen mit unterschiedlichen Bohrern, auch verschiedenen Größen, eine für mich zuverlässige Methode: Einsatz eines Dremel, um den Sicherungsring zu entfernen.

Das funktioniert sehr zuverlässig und ist gegenüber dem Bohren deutlich einfacher, da der Dremel nicht so schnell auswandert. Der Vorteil ist vor allem, das du das Werkzeug nicht exakt senkrecht halten musst, sondern eigentlich in jeder Position arbeiten kannst. Damit kannst du gerade an schlecht erreichbaren Stellen, gut die Mitte aufschleifen und so den Sicherungsring entfernen. Der Nachteil ist allerdings, das sehr feine Späne entstehen, die sich auch weit verteilen. Daher solltest du möglichst gleich absaugen oder umliegende Teile abdecken.

Arbeitest Du im Innenraum, achte darauf so gut wie möglich abzudecken, damit sich die Späne nicht im Cockpit verteilen und vor allem nicht in die Geräte eindringen können. Also, die Geräte abdecken oder gleich ausbauen.

Ist der Sicherungsring entfernt, zeigt sich dir das folgende Bild.

Ab jetzt wird es einfach

Der Sicherungsring ist raus und die kannst meistens auch eine kleine Lücke zwischen Stift und Nietkörper erkennen. Nun kannst du den Stift nach innen mit einem Splinttreiber ausschlagen. Dabei gilt, behutsam mit Kraft vorgehen. Der Stift sitzt idR noch gut fest, wodurch schon kräftig geschlagen werden muss. Schlag aber nicht gleich den ganzen Niet mit in den Rumpf. Ein 5kg Vorschlaghammer muss es nicht sein 🙂

Bewegt sich allerdings nichts, solltest du noch weiter bohren oder schleifen und anschließend erneut das ausschlagen probieren. Meistens bekommst Du den Stift mit 1 – 2 Schlägen raus oder siehst zumindest, das er sich bewegt.

Ist der Stift raus, hast du eigentlich einen klassischen Blindniet vor dir. Heißt, du wählst einen Bohrer in Größe des Lochs, in dem der Niet steckt. Bohrst vorsichtig zentral in den Kopf, bis dieser abbricht und kannst dann den Nietkörper nach innen ausdrücken. Herzlichen Glückwunsch! Die Arbeit ist getan.

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